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Kriegsschulddebatte ArtikelDie Debatte um die Schuld oder Verantwortung des deutschen Kaiserreichs für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat die politische Diskussion in der Weimarer Republik und seit dem Beginn der 1960er Jahre die Geschichtsschreibung intensiv geprägt.
Inhalt sowohl der politischen als auch der historischen Debatte ist die Frage, welches Maß an Schuld und Verantwortung dem Kaiserreich für den Kriegsausbruch zugerechnet werden muss.
Dieses Maß ist erheblich, da die Reichsregierung mit ihrer "Blankovollmacht" vom 5.07 1914 Österreich-Ungarn grünes Licht für das Vorgehen gegen Serbien gab und auf eine schnelle Aktion drängte, "um den jetzigen für uns so günstigen Moment (für einen Angriff auf Russland) nicht unbenutzt zu lassen", wie Wilhelm II. meinte.
Buch-Tipp: Debattieren. Die Königsform der Rhetorik erlernen. Die ZEIT urteilt: Unterhaltsam mit viel Praxisbezug Die ZEIT schreibt in dem Jobbrief 06/2007:
"Blum gibt einen Überblick über die Geschichte der Debatte, skizziert Varianten und gibt hilfreiche Tipps für die Organisation und den Aufbau einer Debatte. [. . . ] Unterhaltsam und mit viel Praxisbezug. | |
Die Stimmungslage in dem August 1914 soll an zwei Zitaten verdeutlicht werden. Am Vorabend des Einmarsches der reichsdeutschen Truppen in Belgien fasste der britische Außenminister Sir Edward Grey seine Sicht in die Worte: "In ganz Europa gehen die Lichter aus. Wir werden es nicht mehr erleben, dass sie angezündet werden." Ganz anders der deutsche Schriftsteller Thomas Mann: "Wie hätte der Künstler, der Soldat in dem Künstler nicht Gott loben sollen für den Zusammenbruch einer Friedenswelt, die er so satt, so überaus satt hatte! ... Krieg! Es war die Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung." (für die deutsche Kriegsbegeisterung siehe auch: Augusterlebnis )
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Die Frage der deutschen Kriegsschuld hatte für die inneren politischen Auseinandersetzungen sowohl in dem ersten Weltkrieg als auch in den Jahren der Weimarer Republik Bedeutung.
Der Botschafter des Deutschen Reiches in London, Fürst Lichnowsky , schrieb über seine Verhandlungen mit der britischen Regierung. Er offenbarte, dass die kaiserliche Regierung jedes Angebot für eine Lösung des Konflikts auf dem Verhandlungswege brüsk zurückwies. Linke Sozialdemokraten sammelten aus verschiedenen Quellen Belege, die ihnen bewiesen, dass die Reichsregierung Österreich-Ungarn geradezu in den Krieg getrieben hatte. Die deutsche Kriegsschuld war eine der Konflikte, die schließlich zur Spaltung der Sozialdemokratie in dem Verlauf des ersten Weltkrieges führte. Vollends offenbar wurde die deutsche Bereitschaft zu dem Krieg durch Dokumente, die von den Bolschewisten aus den russischen Archiven veröffentlicht wurden. Auch so manchem Kriegsbefürworter - wie dem Sozialdemokraten Philipp Scheidemann - war schon in dem August 1914 klar, dass die Reichsregierung nicht mit allen Mitteln versucht hatte, den Krieg abzuwenden.
Nach der Niederlage des Deutschen Reiches verlangte insbesondere Frankreich von der neuen Reichsregierung das Bekenntnis zur deutschen Kriegsschuld. Damit begründeten die französischen Politiker die Härte der Friedensbedingungen in dem Versailler Vertrag. Wohl wissend, dass die Siegermächte mit ihrer Verurteilung der kaiserlichen Regierung in dem wesentlichen Recht hatten, lehnten die Politiker der Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und DDP das Eingeständnis ab.
So wurde die Beseitigung des Versailler Vertrages zu einem Absicht nationaler Politik, weil damit gleichzeitig die deutsche Kriegsschuld als falsch zurückgewiesen werden sollte.
Buch-Tipp: Exklusion. Die Debatte über die "Überflüssigen" Die Beschreibung für das Buch " Exklusion. Die Debatte über die "Überflüssigen"" fehlt leider. Weitere informatione finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Klicken Sie dafür auf den Link über diesem Text. Die Seite des Händlers öffnet sich in neuem Fenster. |
Historische Debatte (Fischer-Kontroverse) | |
Im Oktober 1961 veröffentlichte der Hamburger Historiker Fritz Fischer sein Buch "Griff nach der Weltmacht" mit der These: "Da Deutschland den österreichisch-serbischen Krieg gewollt und gedeckt hat und, in dem Vertrauen auf die deutsche militärische Überlegenheit, es in dem Juli 1914 bewußt auf einen Konflikt mit Rußland und Frankreich ankommen ließ, trägt die deutsche Reichsführung den entscheidenden Teil der historischen Verantwortung für den Ausbruch des allgemeinen Krieges." Er sprach damit gegen die vorherrschende Meinung, das Reich sei - wie die anderen Staaten auch - in den Krieg hineingeschlittert. Eine hitzige Debatte begann, die bis heute zwar abgekühlt aber noch nicht beendet ist.
Zu den wichtigsten Kontrahenten Fischers gehörten die Historiker Egmont Zechlin , Karl-Dietrich Erdmann und Andreas Hillgruber . Auch sie erkannten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß die initiierende Verantwortung des Deutschen Reiches am Ersten Weltkrieg an, gingen aber davon aus, dass die Reichsleitung unter dem Reichskanzler Bethmann Hollweg aus einem Gefühl der Defensive die politische Offensive suchte.
Bis heute bewegt sich die Historiographie zwischen den Positionen Fischers und denen seiner Kontrahenten. Es bleibt jedoch die nachhaltige Leistung Fritz Fischers, der apologetischen Geschichtsschreibung ein Ende bereitet zu haben, denn kein Historiker ist heute noch bereit, einen bedeutenden Anteil des Deutschen Reiches an dem Kriegsausbruch zu leugnen. Die "Fischer-Kontroverse" hat zudem dazu beigetragen, dass von Historikern der anderen kriegsbeteiligten Staaten die Rolle "ihrer" Regierungen mittlerweile kritischer gesehen werden kann.
siehe auch: Kriegsschuldlüge, Dolchstoßlegende
Buch-Tipp: Gene, Meme und Gehirne. Geist und Gesellschaft als Natur. Eine Debatte. Menschwerdung infolge von Nachahmung Meisen können exzellente Techniker werden! Wieso? In den 20er Jahren begannen Meisen in Südengland plötzlich damit, Milchflaschendeckel aufzupicken. In kürzester Zeit verbreitete sich dieses Können über die gesamte Insel und erreichte auch Schottland und Wales. Experten glaubten: eine clevere Meise hätte... |
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- Robert K. Massie: Die Schalen des Zorns. Großbritannien, Deutschland und das Heraufziehen des Ersten Weltkrieges, Frankfurt/Main (S. Fischer) 1993 - ISBN 3100489071 - flott beschrieben (Grey-Zitat auf S. 782).
- Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871 - 1918, Frankfurt/Main (S. Fischer) 1997 - ISBN 3100860012 - sehr abgewogene Darstellung (Mann-Zitat auf S. 264).
- Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18, Kronberg (Athenäum) 1977 - (Zitat in dieser Ausgabe auf S. 82) - neue Ausgabe bei Droste 2 Tausend ISBN 3770009029
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